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Wolfgang Beckermann
Das Grabmal Heinrichs III. in Goslar
Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur des Mittelalters, Band 3
115 S. 85 z.T. farb. Taf.
1. Aufl. Göttingen 1998

Als 1056 Kaiser Heinrich III. starb und bevor dessen Körper nach Speyer überführt wurde, brachte man sein Herz nach Goslar. Dort wurde es in der Vierung der Kirche des von ihm gegründeten Stiftes St. Simon und Judas beigesetzt. Mehr als zweihundert Jahre später erteilte das Stiftskapitel den Auftrag für ein neues, figürliches Grabmal. Es zeigt den Kaiser lebensgroß als Liegefigur mit den Insignien seiner Macht, Krone und Zepter, und einem Modell der Stiftskirche als Symbol des Gründungsaktes. Seit dem 19. Jh. hat es in der Ulrichskapelle der Kaiserpfalz seine neue Aufstellung gefunden, nachdem die Stiftskirche abgerissen worden war. Das Grabmal ist ein Beispiel für die im 13. Jh. zunehmende Stifterverehrung, die ihren u.a. Ausdruck findet in der Errichtung neuer Grabmäler auch für schon längst verstorbene Wohltäter. Seine darüber hinausgehende Bedeutung erfährt das Goslarer Werk durch die Tatsache, daß es sich um eines der wenigen figürlichen Grabmäler für einen deutschen König handelt, das sich aus mittelalterlicher Zeit erhalten hat. Die vorliegende Untersuchung  eine überarbeitete Fassung der 1996 am Kunsthistorischen Seminar der Universität Göttingen entstandenen Magisterarbeit  versucht möglichst umfassend den Fragestellungen nachzugehen, die an das in der Forschung bislang nur am Rande behandelte Goslarer Grabmal gestellt werden können. Zunächst gilt es, technische Fragen zu klären, Überlegungen zum ursprünglichen Erscheinungsbild anzustellen sowie einen eingehenden Blick auf die ikonographischen Details der Grabfigur zu werfen. Daran schließen sich die Herleitung der äußeren Form und die stilistische Einordnung des Grabmals in die sächsische Skulptur der zweiten Hälfte des 13. Jhs. an. Nach der Beschäftigung mit dem speziellen Bildtypus' in Goslar, der eigentümlichen Verbindung von Herrscherbild, Stifterbild und Grabbild in einem Werk, geht es um das liturgische Totengedächtnis. Dank der guten Quellenlage u. a. einem erhaltenen Ordinarius der Stiftskirche aus dem 15. Jh. lassen sich die einzelnen liturgischen Handlungen am Grab rekonstruieren und der Stellenwert beurteilen, den es in der Liturgie einnahm. Das letzte Kapitel beschreibt die historische Entwicklung des Stifts und darauf aufbauend die Situation, in der es sich in der zweiten Hälfte des 13. Jhs. befand, mit dem Ziel, mögliche Motive für Errichtung des Grabmals herauszuarbeiten. Als Ergebnis der Untersuchung steht ein Werk, das in seiner Form auf das in Frankreich seit 1220 vollentwickelte gotische Grabmal zurückgreift. Stilistisch übernimmt es Anregungen der französischen Skulptur der Jahrhundertmitte und steht damit in loser Verbindung zu einigen sächsischen Arbeiten, die sämtlich in die Zeit zwischen 1270 und 1290 datiert werden. In diesen Zeitraum fällt auch die Entstehung des Goslarer Grabmals; eine Datierung die durch die Beobachtungen an Kostüm und Insignien gestützt wird.

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